Aus der NWZ vom 01.12.2011
Autor: CHRISTINE BÖHM | 01.12.2011
Göppingen. Das Esslinger Tierheim steht vor dem Aus. Eberhard Neubrand,
Vorsitzender des Göppinger Tierschutzvereins, erklärt, in welcher Notlage sich
die Einrichtungen befinden und wie sie sich über Wasser halten.
"Als ich in der Zeitung gelesen habe, dass das Esslinger Tierheim vor dem Aus
steht, war ich nicht überrascht", sagt Eberhard Neubrand, der Vorsitzende des
Göppinger Tierschutzvereins. "Wir stehen alle mit dem Rücken zur Wand." Viele
Ehrenamtliche arbeiteten in der Einrichtung und ohne ihre Hilfe wäre sie schon
längst geschlossen, meint Neubrand. Mitgliederbeiträge, Spenden, Trinkgeld und
Erbschaften tragen jedes Jahr zur Finanzierung des Tierheims bei - doch die
Summe sei rückläufig. Pro Jahr hat der Verein Unkosten von rund 200 000 Euro.
Von diesem Geld werden auch die drei Festangestellten bezahlt.
Rund 500 Mitglieder hat der Göppinger Tierschutzverein, jedes von ihnen zahlt
durchschnittlich 50 Euro pro Jahr. Zudem tragen die Kreiskommunen dazu bei, dass
sich das Heim über Wasser halten kann. "Nahezu alle von ihnen treten zehn
Prozent der eingenommenen Hundestreuer ab", erklärt der Göppinger. Diese Summe,
rund 75 000 Euro pro Jahr, teilen sich drei Vereine im Kreis - dazu gehören
neben dem Göppinger Heim der Katzenschutz Donzdorf und der Tierschutzverein
Geislingen. Auch von Strafgeldern profitiert der Verein. Land- und Amtsgericht
überweisen jährlich rund 12 000 Euro an die Einrichtung. Rund 15 000 Euro kommen
im Jahr an Spenden zusammen. "Wir stupfeln es halt zusammen", kommentiert
Neubrand die schwierige finanzielle Lage des Vereins. Hinzu kommt, dass die
Substanz des Tierheims Neubrand Sorgen bereitet: Die Gebäude, die vor 30 bis 50
Jahren gebaut wurden, seien renovierungsbedürftig und schlecht gedämmt. Jedes
Jahr zahlt der Verein etwa 6000 Euro für Strom, weitere 12 000 Euro müssen
durchschnittlich für Heizölkosten abgeführt werden.
Dazu kommen Unkosten, die notwendig sind, aber eine immer größere Rolle im
Haushalt des Vereins spielen. "Im Jahr 2010 hatten wir 49 500 Euro
Tierarztkosten", erklärt Neubrand. Jedes Tier, das neu ins Heim komme, müsse
untersucht und geimpft werden. Katzen und Hunde würden kastriert. Bei derzeit
100 Katzen und knapp 50 Hunden komme dabei ein großer Betrag zusammen. Im Jahr
2010 waren es 880 Tiere, die im Heim aufgenommen wurden. 660 von ihnen konnte
das Team um Neubrand vermitteln. Doch nicht nur Haustiere werden in der
Einrichtung versorgt. "124 Wildtiere, darunter Waschbären, Grünfinken, Igel und
Wildenten, fanden bei uns im vergangenen Jahr eine vorübergehende Bleibe,
erzählt der Göppinger.
Eigentlich seien die Kommunen zuständig für Fundtiere, das übernimmt aber das
Göppinger Tierheim für viele von ihnen. "Wir können uns nicht beklagen", sagt
Neubrand. Er finde bei den Bürgermeistern immer ein offenes Ohr. Jedoch seien
die Beiträge oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Es gab auch schon Jahre,
in denen hatten wir ein Minus unterm Strich", gibt Neubrand zu bedenken.
Durch ehrenamtliche Helfer könne das laufende Geschäft geschultert werden.
Sanierungen oder Neubauten - wie aktuell der Neubau des Katzenhauses - könnten
von den Einnahmen jedoch nicht bezahlt werden. "Würden die Kommunen sich über
die Hundesteuer mehr beteiligen, wären wir dankbar", sagt der Vorsitzende des
Tierheims. "Ich möchte nicht unverschämt sein, aber ich halte 20 Prozent für
angemessen. Es könnte schließlich stufenweise angehoben werden." Für das noch
nicht ganz fertig gestellte neue Katzenhaus des Tierheims sind unter anderem
Zuschüsse des Landes geflossen. Dennoch werden auch für dieses Gebäude noch
Spenden gesammelt.