Bericht aus der NWZ vom 09.08.2010
Göppingen. Das Göppinger Tierheim Ulrich Schol ist brechend voll, 48
Hunde und rund 80 Katzen warten auf neue Besitzer. Die Tiere werden nicht nur
abgegeben, sondern es kommen auch immer wieder ausgesetzte dazu.
"Wir sind derzeit sehr voll", weiß Tierpflegerin Christine Vogel. Aus den
Zwingern und dem Freilaufgehege ist vielstimmiges Bellen zu hören, 48 Hunde sind
derzeit untergebracht. "Ausgesetzte Tiere beschränken sich längst nicht mehr auf
die Urlaubszeit", sagt Vogel, das ganze Jahr über kommen Findlinge zur Betreuung
ins Tierheim. "Erst vor drei Wochen kam ein Hund", erzählt Christine Vogel. Der
Vierbeiner ist weder gechipt noch tätowiert, deshalb kann er auch keinem
Besitzer zugeordnet werden. "Er scheint von niemandem vermisst zu werden", so
die Tierpflegerin, denn nachgefragt hat bisher keiner.
Auch wesentlich mehr Abgabehunde als in den vergangenen Jahren verzeichnet
das Tierheim. "Die Hunde werden aus den verschiedensten Gründen bei uns
abgegeben", erklärt Christine Vogel. Ein neuer Vermieter duldet keine
Vierbeiner, es treten plötzlich Allergien auf oder es gibt berufliche Gründe,
warum der Hund nicht mehr versorgt werden kann. "Wir fragen schon nach, warum
Leute ihre Hunde loshaben wollen", sagt Vogel, denn für die Tierheimmitarbeiter
sind die Informationen wichtig, wegen der späteren Weitervermittlung: "Wir
bekommen teilweise die tollsten Geschichten aufgetischt."
80 Katzen hat das Tierheim zu vermitteln und fast täglich kommen neue
Samtpfoten dazu. "Vor allem Katzenjunge", sagt Vogel. Auch Fundkatzen gibt es
immer wieder, das Tierheim ist teilweise so voll belegt, dass in der
Quarantänestation kein Platz mehr frei ist und Hundeboxen als Notquartier für
die Katzen herhalten müssen.
"So voll wie jetzt waren wir noch nie", erinnert sich Christine Vogel. Der
Stress für die Hunde sei enorm. "Viele denken einfach nicht nach, bevor sie sich
ein Tier anschaffen", bedauert sie. Nicht nur die Unterbringung und Versorgung
der Tiere müsse gesichert sein, man müsse auch die Kosten für Tierarztbesuche
mit einrechnen. "Es gibt genügend Menschen, die ihre Tiere auch aus finanziellen
Gründen wieder abgeben müssen", weiß Vogel.
Wer in den Urlaub fährt und sein Tier nicht mitnehmen kann, der kann es im
Tierheim auch in Pension geben. "Im Moment haben wir aber fast gar keinen Platz
mehr", sagt Vogel. Normalerweise halte man zehn Zwinger für Pensionshunde frei,
jetzt sei aber bis auf den letzten Platz fast alles belegt. Was passiert
eigentlich, wenn jemand vor der Tür steht, seinen Hund loswerden möchte und sich
weigert, ihn wieder mit zu nehmen? "Dann schaufeln wir irgendwie einen Notplatz
frei", seufzt Vogel. Das machen die Tierheimmitarbeiter den Tieren zuliebe. "Man
weiß ja nicht, was die Leute sonst mit ihren Tieren anstellen", so Vogel. Auch
wenns sehr eng ist, lässt sich immer eine Lösung für Pensionstiere finden.
Adressen anderer Tierheime und privater Tierpensionen bekommen Interessierte
jederzeit vom Göppinger Tierheim. "Für Katzen gibt es auch private
Pflegestellen", weiß Vogel. Gerade für die Samtpfoten sei es wesentlich besser,
wenn sie während der Abwesenheit ihrer Besitzer in ihrem gewohnten Terrain
versorgt werden. "Katzen leiden sehr unter Stress", weiß sie. Der Freundeskreis
Katze und Mensch organisiert beispielsweise Cat-Sitting auf
Nachbarschaftshilfe-Basis. Die Katzen werden von Vereinsmitgliedern gegenseitig
in ihrem eigenen Zuhause versorgt. Im Tierheim oder privaten Tierpensionen
fallen für die Urlaubsbetreuung natürlich Kosten an. Im Göppinger Tierheim
beispielsweise müssen Tierhalter für die Unterbringung eines Hundes 12 Euro und
für eine Katze sieben Euro pro Tag bezahlen.
Info Das Tierheim Ulrich Schol ist telefonisch täglich von 8 bis 12 Uhr und
14 bis 18 Uhr unter Telefon: 07161 / 78969 zu erreichen. Näheres zum
Freundeskreis Katze und Mensch
unter www.katzenfreunde.de