Das Tierheim gibt vielen Tieren, zum ersten Mal in ihrem Leben, das Gefühl,
eine Heimat zu besitzen. Dort erhalten sie ihre regelmäßig Grundversorgung wie
genügend artgerechtes Futter, wenn notwendig, medizinische Betreuung, täglichen
Auslauf und Streicheleinheiten. Doch ist dies ausreichend?
Kommt ein Hund ins Tierheim, ist dies erst einmal ein dramatischer Einschnitt
in sein Leben, was für jeden Hund eine besonders schwierige Situation bedeutet.
Um Schaden zu vermeiden, ist dazu großes fachliches Wissen und eine individuelle
Betreuung der einzelnen Hunde Vorraussetzung. Der menschliche Kontakt und das
Vertrauen zu einem Menschen spielen hierbei eine ganz bedeutende Rolle, was aber
erst einmal gezielt richtig aufgebaut werden muss. Tiere, welche schon länger im
Tierheim leben oder ältere, gelassene Tiere, können manchmal zu den Neulingen
eine Brücke schlagen. Das Seminar war vor allem dahin ausgerichtet, Defizite und
Probleme der einzelnen Tiere gezielt zu erkennen und individuell auf das
einzelne Tier entsprechend agieren zu können. Die geistige Beschäftigung des
Tieres spielt hierbei eine sehr große Rolle, was bei kleinen Spielen wie
„Leckerli suchen“ schon immens angeregt werden kann. An vielen weiteren
praxisnahen Beispielen, unterstützt durch Aufzeichnungen aus dem Kremser
Tierheim, gab Frau Neumann den interessierten Tierfreunden sehr wertvolle
Anregungen weiter, wie auch die geistigen Beschäftigungen gesteigert werden
können.
Der Tierheimaufenthalt bedeutet für die Tiere eine Ausnahmesituation, deshalb
ist der Umgang mit ihnen auch in kleinen, alltäglichen Situationen von größter
Bedeutung. Tägliche Rituale sind hierbei sehr wichtig für das Tier, damit diese
sich wohl fühlen. Die Tiere sollen keine Langeweile haben, aber dürfen auch
nicht ständig mit Reizen überflutet werden. Ein weiteres ganz großes Thema nahm
auch der Bereich „Spaziergang“ ein. Dieser sollte für den Hund so angenehm wie
möglich sein. Er sollte auf die Bedürfnisse des Hundes abgestimmt sein und nicht
auf die des Menschen. “Tierliebe ist hierfür eine gute Basis und wichtig, aber
zu wenig für einen sinnvollen Spaziergang.“, so Frau Neumann. Aus Ihrer Sicht
müssen die regelmäßigen „Gassigeher“ auf diese verantwortungsvolle Aufgabe mit
einer spezielle Schulung gezielt vorbereiten werden.
Ein weiterer Schwerpunkt war, die wichtigsten Formen der
Verhaltensauffälligkeiten der Hunde zu erkennen und individuell darauf eingehen
zu können. Die Ursachen hierzu sind meistens beim Fehlverhalten der Menschen im
Umgang mit ihren Tieren zu finden. Das Training dieser Tiere sollte individuell
auf die Bedürfnisse jedes einzelnen zugeschnitten sein und darf das Tier nicht
überfordern. Niemals darf mit einer Bestrafung dabei gearbeitet werden. Auch
hierbei ist der spielerische Umgang mit den Tieren sehr wichtig. Dadurch werden
sie von ihren negativen Erfahrungen abgelenkt und das Positive rückt immer mehr
in den Vordergrund.
Beeinflusst durch dieses sehr lehrreiche Seminar wird unser Göppinger
Tierschutzverein noch stärker in der Lage sein, das Wohl seiner anvertrauten
Tiere im Tierheim zu fördern. Interessenten, welche sich für einen Hund aus dem
Göppinger Tierheim „Ulrich Schol“ entscheiden, können eine offene und
ausführliche Beratung erwarten. Denn wir wollen, dass der Tierheimaufenthalt ein
Neustart in ein gutes Hundeleben bedeutet und dass das Tier mit seinen neuen
Besitzern die Chance erhält, gemeinsam eine glückliche Zeit zu erleben.