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31.03.2006 Tierfriedhof

NWZ

Erscheinungsdatum: Freitag 31.03.2006

Interview mit Hans-Günther Märkle
"OB Till gegenüber Tierfriedhof sicher aufgeschlossen"

Nachdem sich alle Zisch-Reporter der Klasse 4 aus Wangen vor Ort einen Eindruck von der Arbeit im Tierheim Göppingen gemacht hatten, befragten Sie den Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Hans-Günther Märkle. Er besuchte sie mit seinem Hund Mascha in der Grundschule.

 

Sie haben das Thema für Zisch vorgeschlagen. Was hat Sie dazu veranlasst?

Die Wangener Grundschüler haben den Vorsitzenden des Tierschutzvereins, Hans-Günther Märkle, interviewt.

HANS-GÜNTHER MÄRKLE: Der Stellenwert der Haustiere, egal ob Hund, Katze oder Kleintiere, hat sich heute stark verändert. Hunde und Katzen waren früher Nutztiere, die den Hof verteidigen oder Mäuse fangen mussten. Kleintiere wurden sogar oft als Schädlinge verschmäht und gejagt. Heute haben Haustiere in aller Regel zunächst einmal den Sinn, Freude und Verantwortungsbewusstsein zu lehren. Sie dienen pädagogischen Zwecken. Sie sind sogar als Ersatz für eigene Kinder. Stellt euch eine Familie vor, die einen Hund hat, der sie 15 Jahre treu begleitet hat, der bellt, tobt, schnarcht und träumt, der euch ans Herz gewachsen ist und wie ein ein weiteres Familienmitglied behandelt wurde. Nach seinem Tod soll der Hund in der Tierkörperbeseitigung zu Tiermehl, Tierfett, für Futtermittel, Düngemittel und Schmierstoffe verarbeitet werden? Ein Tierfriedhof bietet dagegen eine gute möglichkeit, den maßgeblichen Teil der Trauerarbeit für die Erwachsenen in einer Bestattungszeremonie zu ermöglichen und erlaubt es den Kindern, sich mit der Sterblichkeit aller Lebewesen auseinanderzusetzen.

 


Welche Bestattungsarten werden zur Zeit angeboten?

MÄRKLE: Zunächst einmal muss geklärt werden, dass das Tier nicht an einer Tierseuche gestorben ist, damit keine Krankheitsgefahr von ihm ausgeht. Grundsätzlich ist es in Baden-Württemberg erlaubt, sein Haustier im eigenen Garten selbst zu begraben (Ausnahme: Wasserschutzgebiete). Eine weitere Möglichkeit sind Tier-Krematorien. Dort werden die Tiere verbrannt und man erhält eine Urne mit der Asche zurück. Leider gibt es in der Umgebung kein Tier-Krematorium, aber Dienstleister, die das Tier abholen und  zum Krematorium transportieren. Ein Tierfriedhof ist ebenfalls lokal nciht vorhanden. Hier müsste man auf weiter weg liegende Alternativen ausweichen. Natürlich kann auch jede Privatperson ihr Tier in der Tierkörperbeseitigung entsorgen lassen.

 

Kennen Sie selbern einen Tierfreidhof und könnte der als Vorbield geeignet sein?

MÄRKLE: Nein. Bis jetzt ist noch keines meiner Haustiere verstorben. Es gibt in Deutschland zwischenzeitlich rund 100 Tierfriedhöfe. Unter den Vorreitern nund den größten finden sich sicherlich Beispiele, dei nachahmenswert sind (Berlin, Frankfurt, München).

 

Welche Tiere sollte man hier begraben können?

MÄRKLE: Grundsätzlich einmal alle Haustiere, egal ob Hund, Katze oder Kleintier. natürlich wird je nach benötigter Fläche ein entsprechender Preis berechnet werden. Natürlich darf von den begrabenen Tieren keine Gefahr für die Umwelt (wie ansteckende Krankheiten) ausgehen.

 

Wer soll den Tierfreidhof betreuen?

MÄRKLE: Der Tierfriedhof kann in Zeiten knapper Kassen sicherlich nicht von Stadt, Gemeinde oder Landkreis betrieben werden. Steuerlich betrachtet ist der Tierfriedhof ein wirtschaftlicher Betrieb und darf deshalb nicht vom Tierheim oder dem Tierschutzverein selbst betrieben werden, da dies der Gemeinnützigkeit entegegen steht. Der Tierfriedhof wird deshalb von einer eigenen Firma betreut werden müssen.

 

Könnte in Göppingen ein Tierfreidhof angelegt werden, wäre ein Platz neben dem Tierheim günstig?

MÄRKLE: Ein Platz könnte sicherlich in der Öde beim Göppingen Tierheim oder in Donzdorf im Lautergarten gefunden werden. Da das Tierheim in Göppingen etwas abseits liegt und sicherlich niemand freiwillig einen Tierfriedhof in seiner Nachbarschaft haben möchte, bietet sich eine Zusammenlegung an. Natürlich müssen hierzu erst einmal alle behördlichen Genehmigungen eingeholt werden.

 

Denken Sie, dass der Oberbürgermeister von Göppingen, Guido Till, zustimmt?

MÄRKLE: Ich habe den Oberbürgermeister Guido Till als einen sehr tierlieben Menschen kennen gelernt, der selbst zwei große Hunde hält. Deshalb sind ihm diese Fragestellungen bestens bekannt. Soweit keine behördlichen Bedenken bestehen, wird er dem Tierfreidhof gegenüber sicher aufgeschlossen sein.

 

Was passiert mit den toten Tieren im Tierheim?

MÄRKLE: Die Tiere werden eingefroren. Besteht der Verdacht, dass sie an einer ansteckenden Krankheit gestorben sind, so werden sie zur Obduktion in ein Labor gesendet, ansonsten der Tierkörperbeseitigung übergeben.

 

Würden Sie Ihr eigenes Tier, wenn es verstirbt, auf dem Tierfriedhof begraben lassen?

MÄRKLE: Für meine Familie, speziell mit zwei kleinen Kindern, ist der Tierfriedhof oder auch das krematorium mit einer eigenen Urne eine Möglichkeit. Meine Tochter und mein Sohn wachsen zusammen mit unserer Leonberger-Hündin Mascha auf. Sie ist Spielkamerad, Schmusestation und natürlich auch ein Wachhund für die Kinder. Ihr Tod wäre ohne Zweifel ein großer Verlust für unsere Familie. Deshalb möchte ich meinen Kindern auf jeden Fall die Chance bietet, diesen Verlust und die Trauer zu verarbeiten. Ein Grab oder eine Urne als fester Platz der Erinnerung ist hierzu sicherlich sehr schön.

 


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