 |
 |
Neospora Caninum
|
|
| Hundekot macht Kälber tot |
 |
 |
 |
|
... diese Schlagzeile war leider im Laufe von 2004 und 2005 immer wieder zu
lesen! Leider geht es an der Realität sehr weit vorbei. Selbst im Laborversuch
mit infizierten Hunden schieden lediglich 0,04% der Hunde den Erreger wieder
aus. Also ein verschwindend geringer Anteil. Zweitens muss ein Hund sich erst
einmal infizieren und das kann er nur, wenn er Fleisch frisst, das mit den
Erreger infiziert ist. Dieser stirbt zum Glück ab, wenn das Fleisch zubereitet
(gekocht) wird. Also welche Hunde bekommen rohes Fleisch, dass mit Neospora
Caninum infiziert ist, zu fressen? Der normale Stadthund, der mit Fertignahrung
egal ob trocken oder feucht gefüttert wird, jedenfalls nicht!
Selbst das nationale Referenzlabor (Friedrich-Loeffler-Institut) kam in
seiner offiziellen Risikobewertung Rinderaborte durch Neospora Caninum zum Ergebnis, dass die
Infizierung eines Rinds durch mit Hundekot versetzes Futter höchst
unwarscheinlich ist.
|
| Presseinformation 29. März 2005 (Nr. 3/05) |
 |
 |
 |
|
BTK - Bundestierärztekammer - Arbeitsgemeinschaft der Deutschen
Tierärztekammern e.V. FLI - FRIEDRICH-LOEFFLER-INSTITUT -
Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit - Federal Research Institute for
Animal Health
|
|
Hundekot und Rinderabort: Indizien entlasten den „Stadthund“
Für Rinderaborte durch den Erreger Neospora caninum ist der „normale
Stadt- und Familienhund“ in der Regel nicht verantwortlich zu machen. Hundekot
auf landwirtschaftlichen Flächen ist zwar generell unhygienisch und deshalb zu
vermeiden. Allerdings ist der Kot des eigenen Hofhundes als Infektionsquelle für
Rinder erheblich riskanter, als die Hinterlassenschaften eines spazieren
geführten Stadthundes. Darauf weisen die Bundestierärztekammer und das
Friedrich-Loeffler-Institut auf der Grundlage neuer Forschungsergebnisse hin.
Im vergangenen Sommer war es besonders in Baden-Württemberg und
Rheinland-Pfalz zu teilweise drastischen Konflikten zwischen Landwirten und
Hundehaltern gekommen bis hin zur Drohung, freilaufende Hunde zu vergiften.
Ursache waren Kampagnen der Landesbauernverbände gegen Hundekot auf Weiden und
Futterflächen und dabei vor allem die plakativ illustrierte pauschale
Behauptung, dass mit Hundekot verunreinigtes Futter Krankheit und Aborte bei
Kühen auslöse.
Tatsächlich scheiden Hunde, die mit dem Einzeller Neospora caninum
infiziert sind, ansteckende Stadien des Erregers mit dem Kot aus. Mit Hundekot
verunreinigtes Futter ist deshalb eine mögliche Infektionsquelle für Rinder, bei
denen Neospora Aborte verursachen kann.
Aktuelle Studien haben allerdings eine Reihe von Indizien ergeben, die den
„normalen Stadt- und Familienhund“ entlasten:
- Die Ausscheidung des Erregers lässt sich nur selten bei Hunden nachweisen.
In 11586 Kotproben, die von März 2001 bis Februar 2004 in zwei
veterinärmedizinischen Labors untersucht wurden, konnten nur fünfmal die
infektiösen Stadien von Neospora gefunden werden.
- Epidemiologische Untersuchungen von Rinderherden in Rheinland-Pfalz
ergaben als wichtigsten Risikofaktor für Neospora bedingte Aborte die
Haltung von Hunden in dem betroffenen Betrieb selbst. Mit Abstand und weniger
sicher statistisch zu belegen folgten – in dieser Reihenfolge: mittlere
regionale Temperatur im Juli, allgemeine Hundedichte in der Region und Größe
der Rinderherde.
- Hinsichtlich des „Risikofaktors Hund“ entspricht dies den möglichen
Übertragungswegen: Vor allem Hofhunde können erregerhaltiges Material
aufnehmen wie abortierte Kälber und Nachgeburten und sich zunächst selbst
infizieren. In der Folge scheiden sie mit dem Kot einige Tage lang ansteckende
Stadien von Neospora aus und werden so wiederum zur Infektionsquelle
für Rinder. „Stadthunde“ dürften dagegen seltener Zugang zu erregerhaltigem
Material haben. Hunde, die ausschließlich mit kommerziellem Fertigfutter
ernährt werden, stellen kaum ein Risiko dar. Je weniger sie sich selbst
infizieren können, umso weniger kommen sie auch als Infektionsquelle für
Rinder in Frage.
- Generell ist die vertikale Übertragung von der Kuh auf das ungeborene Kalb
zahlenmäßig und wirtschaftlich als wesentlich bedeutender anzunehmen, als eine
Infektion durch die Aufnahme von infektiösen Stadien aus Hundekot.
Hinweise für Landwirte
- Abortmaterial und Nachgeburten müssen sofort und für Hunde unzugänglich
entsorgt werden. Hunde sollten nicht mit rohem Fleisch gefüttert werden.
- Futter und Tränkwasser müssen vor Verunreinigungen durch Hundekot
geschützt sein, dies gilt auch für Futtertische.
- Ist die Herde bisher nicht infiziert (serologisch negativ) ist zu
empfehlen, nur untersuchte seronegative Tiere hinzuzukaufen.
- Wenn erst wenige Tiere infiziert (serologisch positiv) aber bereits
Neospora assoziierte Aborte aufgetreten sind, ist zu empfehlen, die
seropositiven Tiere von der Zucht auszuschließen.
Hinweise für Hundehalter
Auch wenn die pauschale Beschuldigung des „Stadthundes“ nicht zutreffend ist,
sollten Hunde keinesfalls „ihr Geschäft“ auf landwirtschaftlichen Flächen
machen. Zumindest muss der Halter den Kot entsorgen!
- Aus hygienischen und ästhetischen Gründen gehört Hundekot nicht in
Lebensmittel und ebenso wenig in Futter für Lebensmittel liefernde Tiere.
Anbauflächen von Obst und Gemüse sowie Weiden und für Heu oder Grünfutter
genutzte Wiesen sollten also von Hundekot frei gehalten werden.
- Es gibt landesrechtliche Bestimmungen, die das Betreten und Verunreinigen
von landwirtschaftlich genutzten Flächen ausdrücklich verbieten.
|
|
|
 |

|