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Jahresarbeit

von Julian Lehner - 8. Klasse Waldorfschule Filstal

Als ich im Herbst 2003 mir Gedanken über meine Jahresarbeit zu machen begann, fielen mir verschiedene Themen ein: da ich im Jugendrotkreuz bin, dachte ich, dass ich über das Deutsche Rote Kreuz schreiben könnte.
Ein weiteres Thema dass ich mir überlegt hatte war, über die Hundehaltung zu schreiben. Da ich selber einen Hund habe, und ich immer wieder mit bekommen habe, dass diese falsch erzogen werden, dachte ich mir, dass ich darüber schreiben könnte.

Eine andere Idee war, über die Bundeswehr zu schreiben. Deren Fahrzeuge interessierten mich schon lange. Am Schluss habe ich mich für etwas anderes entschieden:
Seit meinem neunten Lebensjahr interessiere ich mich für das Tierheim. Meine Schwester war damals als Tierpflegerin dort tätig und ich besuchte sie mehrmals. Ich sah, dass die Tierpfleger Spaß daran hatten, die Tiere zu versorgen - und das ohne Lohn. Das fand ich sehr gut! Mit 13 Jahren starb unser erster Hund. Wir erfuhren, dass es dort gerade junge Hunde gibt. Meine Mutter und ich fuhren gleich dort hin und wir entschieden uns für einen Welpen, den wir bis heute haben: Akira. Bei unserem Besuch sah ich aber auch, dass das Tierheim nicht genug Geld für Futter hatte. An dass musste ich denken, als ich mir Gedanken über meine Jahresarbeit machte. Ich überlegte, wie ich ihnen helfen könnte. Da ich gerne bastle, überlegte ich mir, dass ich Gegenstände herstellen und zum verkauf anbieten könnte. Den Gewinn könnte ich dann als Spende dem Tierheim übergeben. Also machte ich mich an die Arbeit!

 

1. Schritt
Ich hatte jemanden, der bereit war, mir seine Werkstatt zur Verfügung zu stellen. Ich entschied mich, kleinere Sachen aus Holz herzustellen. Im ersten Schritt ging es darum, geeignetes Holz zu finden. Ich nahm vor allem Kiefernholz, da sich dieses wegen seiner Weichheit gut bearbeiten lässt. Das erste Produkt, das ich gemacht habe, war ein einfacher Kerzenständer, hergestellt aus einem Vierkantholz. Dieses Vierkantholz sägte ich in 10 cm lange Stücke ab. Ich schliff die Enden und Kanten sorgfältig ab und fräste mit einem Förstnerbohrer ein loch, in das man die Kerze hinein stecken konnte. Zum Schluss veredelte ich die Oberfläche mit Leinöl. Dies war mein erster Prototyp: Aus einem ursprünglich 40 cm langen Vierkantholz entstand ein formschöner Kerzenständer.

 

2. Schritt
Der zweite Schritt war: Mehrere solcher Kerzenständer herzustellen. Ich nahm die anderen Vierkanthölzer und bearbeitete sie. Zum Schluss hatte ich vier Kerzenständer. Eine weitere Form, die ich wählte, war sternförmig. Aus dieser Form stellte ich weitere vier Kerzenständer her. Da wir uns in der Vorweihnachtszeit befanden, beendete ich die Kerzenständerreihe mit vier Exemplaren, die die Form eines Baumes hatten. Ich schnitt weitere Vierkanthölzer ab und durch bohrte sie. Dann steckte ich Rundhölzer aus Buchenholz hindurch, flachte die Enden ab und schlug Nägel hindurch, so dass man die Kerzen an diesen aufspießen konnte.

 

3. Schritt
Ich machte aus einer großen Platte mehrere kleine verschieden große Platten. Die leimte ich zusammen, so dass es eine Pyramide wurde. Dann bohrte ich mit einem Förstnerbohrer (Größe: 6 cm) ein loch, so das man ein Teelicht mit Glaseinsatz darin versenken konnte. Hiervon stellte ich drei Exemplare her, ein viertes dagegen war niedriger und hatte vier Löcher.

 

4. Schritt
Die folgenden Exemplare unterschieden sich von der Fertigung her von den anderen: Sie wurden mit einer Maschine, einer so genannten Dekupiersäge hergestellt. Ich nahm eine Pinguinvorlage und zeichnete sie auf eine Pressspanplatte. Dann sägte ich die vorgezeichneten Linien nach, so dass eine schöne Form entstand. Dann schliff ich die Oberfläche und die Kanten und behandelte sie teils mit Leinöl, teils mit Buntlack. Ich machte verschieden Formen, kleine und große Pinguine. Später machte ich noch Nilpferde, die ich ebenfalls mit Leinöl behandelte. Für diese Exemplare brauchte ich sechs Wochen. Als ich hiermit fertig war, hatte ich genug für den Verkauf zusammen.

5. Schritt
Der Werbebrief
Als nächstes stand ich vor der Aufgabe, auf mich und mein Projekt aufmerksam machen zu müssen. Ich nahm gerne das Angebot an, das ich die Adressen von der Heilpädagogischen Ambulanz für meine Aktion benützen kann und machte mich an die Erstellung eines entsprechenden Werbebriefs. Das nachfolgende Schreiben verschickte ich an 40 Eltern:

Liebe Eltern,
mein Name ich Julian Lehner, bin 14½ Jahre alt und gehe in die 8. Klasse der Faundauer Waldorfschule. In der 8. Klasse ist es üblich, dass sich die Schüler über längere Zeit hinweg mit einem Thema ihrer Wahl beschäftigen (Jahresarbeit).
Ich habe als Jahresarbeit verschiedene Holzgegenstände erstellt, und möchte diese zum Verkauf anbieten. Den Erlös möchte ich dem Tierheim Göppingen spenden, da das Tierheim immer wieder auf Spenden angewiesen ist. Ich biete dar:

Kleinere Kerzenständer
Holzlegespiele

Vielleicht finden Sie ein schönes Ostergeschenk darunter!! Ich werde am
Dienstag, den 06. April in der Heilpädagogischen Ambulanz
einen Stand aufbauen und in der Zeit von 13:00 bis 17:00 Uhr für Sie zur Verfügung stehen. Ich würde mich freuen, wenn ich Sie an diesem Tag begrüßen dürfte!
Schöne Grüsse
Julian Lehner

 

6.Schritt
Der Verkauf
Am Dienstag war es soweit, ich räumte die Stühle weg und holte zwei Biertische, legte ein weißes Tischtuch darauf und dekorierte sie mit zwei Stiefmütterchen. Dann legte ich meine Gegenstände auf den Tisch. Um 13:00 Uhr kamen die ersten Besucher, meist Mütter mit Kindern. Immer wieder wurde ich gefragt, wie lange ich an den Gegenständen gearbeitet hatte, wie ich auf die Idee gekommen war, für das Tierheim eine Spendenaktion zu organisieren, wie alt ich bin und vieles mehr. Insgesamt verlief der Tag erfolgreich: Ich hatte viele Gespräche mit bis dahin mir unbekannten Menschen und am Ende Einnahmen in Höhe von 72,00 €!!!

 

7. Schritt
Die Geldübergabe für das Tierheim

Nachdem ein Termin mit dem Tierheim vereinbart worden war, ging ich dort hin um das Geld zu übergeben. Meine Ansprechpartnerin hieß Frau Vogel. Ich traf sie in den Pfingstferien am Freitag, den 18. Mai um 11:00 Uhr. Als ich ankam, war ich erstaunt: das außer Frau Vogel sogar der Vorsitzende des Tierheim-Vereins, Herr Neubrand, gekommen war, um mich zu begrüßen.

Ich sprach über meine Jahresarbeit und warum ich eine Spendenaktion für das Tierheim organisiert hatte. Ich wunderte mich dass sich beide noch an Akira und ihre Geschwister erinnern konnten, und das, obwohl es schon zwei Jahre her war. Anschließend bekam ich eine Führung durch das Tierheim, bei der ich viele Einzelschicksale über die Tiere erfuhr: So z. B. über einen Hundebesitzer der aus Wut sein Tier mit kochend heißem Wasser übergoss und anschließend auf die heiße Herdplatte stellte. Mit lebensgefährlichen Verbrennungen und verstörter Haltung wurde es schließlich eingeliefert. Dies beeindruckte mich sehr.

Am Ende meines Besuches überreichte ich Herrn Neubrand den von mir gesammelten Geldbetrag.
Frau Vogel und Herr Neubrand waren gerührt von meinem Engagement und äußerten, mein Projekt gerne auf der Internetseite des Tierheimes vorstellen zu wollen. Ich willigte ein und versprach meinerseits, ein Exemplar meiner Jahresarbeit ihnen zukommen zu lassen. Nach ungefähr zwei Stunden verließ ich das Tierheim.

 

 
Herr Neubrand und Julian Lehner bei der Spendenübergabe

8. Schritt
Erfahrung und Rückblick
Am Anfang der Jahresarbeit dachte ich, ich schaffe es bis Weihnachten. Darum machte ich Kerzenständer. Doch ich hatte mich verschätzt und schaffte es nicht. Darum machte ich nicht nur Kerzenständer sondern auch Formen wie z. B. Pinguine. Als ich merkte, dass ich mehr Zeit hatte, fiel mir die Arbeit leichter und ich hatte keine Bedenken mehr, dass ich es nicht schaffen könnte.

Eine weitere Erfahrung die ich machte war, dass Arbeiten, die man sich selber stellt, leichter zu machen sind. Es machte mir viel Spaß, auch wenn ich jetzt froh bin, meine Jahresarbeit nach acht Monaten abschließen zu können.

Juni 2004

Julian Lehner

 


Vielen Dank

Lieber Julian, es war eine ganz tolle Idee Deine Jahresarbeit zu Gunsten des Tierheim Göppingen zu machen. Wir sind ganz hin und weg von Deiner Aktion. Mach nur weiter so!

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